Erdkunde

Nichts bildet und kultiviert den gesunden Verstand mehr als Geographie.

(Immanuel Kant (1724 – 1804): Vorlesungen zur Physischen Geographie.)

„Das kann ja jedes Fach von sich behaupten, dass es den Verstand mehr bildet!“

Du hinterfragst kritisch, was du liest und hörst. Das finden wir gut!

„Geschichte, Physik, Biologie (…) sind ja wohl wichtiger!“

Natürlich hält jede(r) das für wichtig, was ihn/sie interessiert. Deshalb halten auch wir ErdkundelehrerInnen Erdkunde für ein wichtiges Unterrichtsfach, aber nicht wichtigER als andere Fächer. Im Gegenteil! Erdkunde hat immer auch Bezug zu den anderen Fächern und braucht diese auch als Grundlage. Beispiele: · Wie kommt es an der Küste zu Ebbe und Flut? (Physik) · Wie versorgen sich die Menschen in verschiedenen Klimazonen mit Nahrung? · Welche Zusammenhänge zwischen Klima, Boden und Pflanzen gibt es? (Biologie, · Physik) · Welche Rolle spielt Gentechnik in der Landwirtschaft? (Biologie) · Wie entstehen Jahreszeiten? (Physik) · Warum regnet es? Wie entstehen Wolken? Was bestimmt das Wetter? (Physik) · Wie entsteht Erdöl? (Biologie) · Warum gibt es arme und reiche Länder? (Geschichte) Vielleicht ist es ja genau das, was der Philosoph Immanuel Kant mit seiner Aussage meinte, dass Geographen nicht nur ihr Fach beherrschen, sondern auch Wissen aus anderen Fächern besitzen.

„Ich dachte, das Fach heißt Erdkunde und nicht Geographie?“

Als γεωγραφία (geographia ausgesprochen) hatten die Griechen schon vor 2000 Jahren die Erforschung der Erde bezeichnet. Wörtlich übersetzt heißt das „Erdbeschreibung“. An der Universität kann man heute immer noch die Wissenschaft „Geographie“ studieren. Man nannte das Fach in der Schule Erdkunde, um den Unterschied zu dem Universitätsfach zu verdeutlichen. Nun sind wir zwar an der Schule und nicht an der Universität, aber manchmal ist der Unterschied gar nicht so groß. Wie Wissenschaftlicher beobachten auch wir unsere Umwelt und stellen uns die gleichen Fragen wie auch die Wissenschaftler, um anschließend der Frage nachzugehen. Wir experimentieren und schauen uns vor Ort um. Wie Wissenschaftler an der Universität nutzen wir auch neue Medien (Internet) und Programme zur Erstellung und Auswertung von Statistiken und Diagrammen.

„Ich weiß schon alles in Erdkunde, weil ich jede Sendung Galileo, terra-x und Welt der Wunder gesehen und außerdem alle Hauptstädte der Erde auswendig gelernt habe.“

Das freut uns natürlich, dass das Interesse an Erdkunde groß ist. Wir denken aber, dass es im Erdkundeunterricht noch viele Themen und Fragen zu entdecken gibt, die nicht in einer Fernsehsendung zu sehen sind oder nur oberflächlich gezeigt werden. Wir wollen es aber genauer wissen! Zum Thema Hauptstädte: Wir denken schon, dass man sich in der globalisierten Welt
orientieren können muss und dazu gehören sicherlich auch Hauptstädte. Aber wir stellen uns nicht nur die Frage „Wie heißt die Stadt“, sondern auch „Wo liegt diese Stadt?“ und vor allem „Warum liegt sie dort, wo sie liegt?“, „Wie ist sie entstanden“? Das ist mehr als nur Auswendiglernen!

„Den Spruch von Immanuel Kant haben die mal schnell mithilfe von Google aus Wikipedia rauskopiert.“

Ertappt! Du siehst, wir nutzen natürlich das Internet für Recherchen und freuen uns über die erleichterte Suche. Aber kultivierte und gebildete Geographen (siehe Zitat) setzen wir uns kritisch mit den neuen Medien auseinander. Die Suchmaschine liefert tausende Treffer und jeder kann im Prinzip alles in das Internet stellen. Woher weiß man, was stimmt?

Viele neue Erkenntnisse im Geographieunterricht wünschen euch die ErdkundelehrerInnen des HBG